Spielbericht

Endlich war es soweit! Nach zwei Auswärtsspielen zum Saisonstart durften wir zum ersten Mal überhaupt in unserer neuen Wohnstube in Mylau antreten. Im Training hatten wir versucht, uns mit der Halle vertraut zu machen. Doch was den Joppenberg in 56 Jahren zur Festung und zum Mythos gemacht hat, war natürlich in ein paar Monaten nicht im Ansatz abzubilden. Nichtsdestotrotz hofften wir einerseits auf eine gute Kulisse und andererseits auf mindestens einen Heimsieg. Was daraus werden sollte, hatte ich mir so nicht vorstellen können.

Da wir den Absteiger aus Oberlosa bezüglich seiner Spielstärke nach dem personellen Umbruch nicht so recht einschätzen konnten, legten wir den Fokus klar auf das erste Match gegen den Tabellenletzten aus Lichtenstein. Die Spatzen pfiffen von den Dächern, dass die Gäste wegen eines Volleyballcamps personell nur arg dezimiert antreten hätten können. Zehn Spieler im Protokoll sprachen eine andere Sprache. Wie kurzfristig doch heutzutage so angesetzt und auch wieder abgesagt werden können…

Rein ins Spiel: Satz eins begann mit kleineren Unsicherheiten auf beiden Seiten. Wir versuchten in der Annahme den Ausfall unseres Liberos Simon zu kompensieren, was recht gut gelang. Unser Angriff war gewohnt stark. Im Block vermochten wir außerdem, das eine oder andere Ausrufezeichen zu setzen. Den Lichtensteinern war auf der Gegenseite anzumerken, dass sie sich unbedingt vom Tabellenende verabschieden wollten.  Zur Satzmitte hin konnten wir uns, während sich die Zuschauerränge mehr und mehr füllten, auf drei Punkte wegarbeiten. Doch die Gäste hatten was zuzusetzen und blieben dran. Die Crunchtime war dann nichts für schwache Nerven. Erst verloren wir die Führung, dann konnten wir zwei Satzbälle abwehren und uns selbst einen solchen erarbeiten (welchen ich dann versemmelte!). Anschließend wehrten wir erneut einen Satzball ab. Doch am Ende mussten wir bei 26:28 klein bei geben. Daran konnten weder Wechsel noch Auszeiten etwas ändern.

Für Durchgang zwei gab es dann klare Ansagen von Frank, welche wir auch umsetzen konnten. Die Aufschläge waren nicht mehr so wackelig und die Hereinnahme von Julius stärkte Abwehr und Angriff gleichermaßen. So konnten wir nach anfänglichem Rückstand Stück für Stück absetzen. Die Abläufe wurden sicherer und da die Gäste ihre Auszeiten recht schnell verbraucht hatten, wechselte sich Gästetrainer Grieshammer selbst ein. Doch auch er vermochte, absolut überraschend, nicht das Blatt noch zu wenden. 25:18 und der Satz war unser!

Durchgang drei wurde zur eindeutigen Angelegenheit. Wir waren (trotz Verwirrung um den Aufstellungszettel…) „on fire“ und ließen von Beginn an keine Luft dran. Nachdem Eric eine 7er Aufschlagserie startete, durfte dann auch Ebbe, der ja eigentlich schon von Beginn an geplant war, ran. Dominik durfte ebenso wie Rene seine Kräfte schonen. Punkt um Punkt zogen wir davon und machten bei 25:13 den Sack zu.

Der Rest ist im Normalfall Formsache, doch scheinbar nicht bei uns. Auch nicht in der neuen Halle und auch nicht mit den neuen Leuten. Denn anstatt einfach so weiter zu machen und die Spannung zu halten, war plötzlich ein Bruch im Spiel. Wir lagen immer so drei bis fünf Zähler hinten und kamen nicht mehr so richtig rein in die Partie. Erst eine Serie wuchtiger Angaben von Paul ließ plötzlich Hoffnung keimen. Zumal Sportfreund Grieshammer seinen großen Auftritt hatte. Nach wieder einmal einer Reihe von Unbeherrschtheiten sah sich der Oberlosaer Unparteiische zu einer gelben Karte gezwungen. Doch scheinbar braucht der Mann mehr und holte sich kurze Zeit später auch noch den roten Karton ab. Das fand nicht nur sein eigener Kapitän, sondern auch alle anderen in der Halle „Absolut peinlich“ und ein „Armutszeugnis“! Die Gäste hatten sich aber scheinbar im Laufe der Jahre an derlei Geschichten gewöhnt, ließen sich nicht aus dem Konzept bringen und schafften den Satzausgleich.

Tie-Break also – wieder mal. Was konnte es angemesseneres für die Einweihung geben, als einen Nervenkrimi!? Und hier gaben wir noch einmal alles! Selbstvertrauen, Wut im Bauch, Ehrgeiz, Teamgeist, wir warfen einfach alles in die Waagschale. Das brachte uns den Seitenwechsel bei 8:5. Die Halle bebte zum ersten Mal in ihrer Geschichte. Zwar gaben auch die Lichtensteiner nochmal alles und kamen zwischenzeitlich bedenklich nahe ran, aber wir wollten das Ding einfach mehr! 15:12, 3:2, Sieg! In der „über die letzten Jahre immer schwächer gewordenen Bezirksliga“ bleiben die Fortschrittler damit also erstmal weiter Schlusslicht. Und wir setzten unsere eigenen Vorgaben damit schon nach dem ersten Match um.

Spiel zwei gegen die Sachsenklasse-Absteiger aus Oberlosa mussten wir dann personell verändert antreten. Ebbe und Eric verabschiedeten sich und die verbliebenen acht mussten die Kastanien aus dem Feuer holen. Satz eins begann dabei verheißungsvoll. Immer komfortabel in Front, ließen wir keine Zweifel aufkommen, wer hier der Herr im Haus ist. Krachendes und überlegtes Angriffsspiel, variabler Aufbau über Frank und gute Block- und Abwehrarbeit machten Lust auf mehr! Paul verbockte dann zwar noch den zweiten Satzball des Tages, aber einen Punkt später stand es trotzdem eins zu null für uns.

Durchgang zwei war dann wieder zum Vergessen. Die Aufschlagquote machte das, was eigentlich gar nicht möglich war – sie sank weiter. Damit machten wir die Randplauener stark und die nahmen dankend an. Immer in Führung liegend, machten sie nicht mehr als nötig. Dabei spielten sie auch die Erfahrung aus vielen höherklassigen Jahren voll aus. Doch gegen Ende bissen wir uns nochmal rein. Punkt für Punkt knabberten wir den Gästen ab. Schließlich durfte ich wieder zum Aufschlag – bei 21:24. Bei 23:24 nahmen die Gäste Auszeit. Das verfehlte seine Wirkung nicht, denn sie machten den einen Punkt und es ging wieder von vorne los.

Also, nochmal klare Worte von Frank und volle Konzentration von Anfang an. Bei 5:0; äh Entschuldigung, 9:1 hörte Julius mit den Aufschlägen auf. Komfortabler Vorsprung bedeutet leichteres Spiel. Und mit aller Überzeugung und voller Konzentration machten wir mit 25:15 kurzen Prozess.

Doch genau diese Konzentration ließen wir Anfang des vierten Satzes wieder etwas vermissen. Doch mit halber Kraft geht’s in der Bezirksliga nicht. Das merkten wir dann auch und besannen uns wieder auf unsere Stärken. Alle spielten das Ding jetzt mehr oder weniger souverän runter. Es gab keine Zweifel mehr, wer hier als Sieger das Parkett verlassen würde. Am Ende hieß es 25:19 und Hier regiert die WSG!

Was für ein Auftakt! Die Zuschauer auf den Rängen verliehen unserer neuen Umgebung die gewohnten Klänge und eine stattliche Kulisse. Danke dafür!!! Am Ende wurden also alle meine Erwartungen übertroffen und als Piemont-Kirsche auf der Torte waren wir dank der Unterstützung aus Limbach neuer Tabellenführer! So ein Tag…

Ach ja, und was zum Auslösen haben wir auch noch gefunden:

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